Tuesday, der 07.09.2010



 
 
Muslime empört über Benedikts Islam-Schelte 2006-09-14 19:34:54
Von "feindseligen und provozierenden" Worten ist die Rede, von Taktlosigkeit und Hass - Islam-kritische Äußerungen von Papst Benedikt XVI. bei einer Vorlesung in Regensburg haben in der muslimischen Welt wütenden Protest ausgelöst. Das staatliche türkische Religionsamt fordert eine Entschuldigung.

Istanbul/Berlin - Die Islam-Schelte von Papst Benedikt XVI. während seines Besuchs in Deutschland rief vor allem in der Türkei und bei Muslimen in Deutschland scharfe Kritik hervor. Die Ansichten des Papstes zu Gewalt und Vernunft in Bezug auf den Islam seien "einseitig, voreingenommen, feindselig und provozierend", sagte der Präsident des staatlichen türkischen Religionsamtes, Ali Bardakoglu, heute dem türkischen Nachrichtensender NTV. Er erwarte, dass Benedikt seine Worte in aller Kürze zurücknehme und sich entschuldige.
In seiner Rede am Dienstagabend in der Regensburger Universität hatte das Oberhaupt der katholischen Kirche Zitate aus einem mittelalterlichem Streitgespräch zwischen dem byzantinischen Kaiser Manuel II. Palaeologos und einem persischen Theologen angeführt achso . "Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten", zitierte er den Kaiser aus dem im 14. Jahrhundert geführten Gespräch.

Der Papst nannte dies eine "erstaunlich schroffe" Art und Weise, die Frage nach dem "Verhältnis von Religion und Gewalt" zu stellen. Er zitierte ferner einen Herausgeber der Reflexionen des Kaisers mit den Worten, der muslimische Gott sei "an keine unserer Kategorien gebunden und sei es die der Vernünftigkeit"sdb34410 .

"Kein Nutzen" vom Papst-Besuch in der Türkei

Mit Blick auf den für Ende November geplanten Türkei-Besuch Benedikts sagte Bardakoglu, er erwarte "keinen Nutzen" vom Besuch eines Papstes, "der in dieser Weise über den heiligen Propheten des Islams denkt". Die Ausführungen des Papstes zur Vernunft konterte Bardakoglu mit den Worten: "Zunächst einmal sollen sie die Dreifaltigkeit Gottes erklären. Sie sagen, dass Jesus Gottes Sohn sei. Wie ist das mit der Vernunft in Einklang zu bringen?" Kritik gab es auch aus Kuweit, Marokko und Pakistan.

Auch Muslime in Deutschland reagierten empört. Der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, sagte dem "Tagesspiegel", es falle ihm "schwer zu glauben", dass der Papst "gerade im Verhältnis zur Gewalt die Grenze zwischen Islam und Christentum" sehe. Schließlich sei auch die Geschichte des Christentums blutig gewesen - "man denke nur an die Kreuzzüge oder die Zwangsbekehrungen von Juden und Muslimen in Spanien". Gerade im Islam sei der Vernunftgedanke "besonders präsent". Für die islamische Rechtsprechung sei "der Gebrauch des eigenen Kopfes sogar eine der Säulen"smartass .

Der Vorsitzende des Islamrats, Ali Kizilkaya, verwies darauf, dass Benedikt XVI. zu Beginn seines Besuchs an die Politik appelliert habe, den Dialog der Kulturen und Religionen zu verstärken. Dies sei allerdings "kein positiver Beitrag dazu", sagte Kizilkaya dem "Tagesspiegel". "Wenn wir alle in die historische Kiste greifen wollten, dann wäre der Dialog kaum möglich."

Klarstellung verlangt

Der Vorsitzende des französischen Islamrats (CFCM), Dalil Boubakeur, verlangte vom Papst eine "Klarstellung". Die katholische Kirche müsse deutlich machen, dass sie den Islam als Religion sehe und nicht mit dem Islamismus gleichsetze, der eine "politische Ideologie" sei, sagte Boubakeur. Die fünf Millionen französischen Muslime wünschten "freundschaftliche Beziehungen" zu den Christen im gemeinsamen Kampf gegen die alle Gläubigen bedrohenden Gefahren: "Extremismus, Radikalisierung, Intoleranz und Gewalt"ja.

Ein kritisches Echo fand der Vortrag Benedikts heute auch in der türkischen Presse. "Taktloser Papst" schrieb das Massenblatt "Sabah" auf der Titelseite. Vor seinem Türkei-Besuch habe der Papst "hasserfüllte, auf den Propheten Mohammed zielende Äußerungen eines byzantinischen Kaisers zu einem aktuellen Thema gemacht", kritisierte das Blatt. Von einem "großen Schnitzer" des Papstes sprach das Blatt "Vatan". Der Papst habe den zitierten Kaiser "als Schutzschild" benutzt, meinte die links-liberale Zeitung "Milliyet". Die auflagenstarke Zeitung "Hürriyet" begnügte sich mit der Feststellung, Benedikt XVI. habe "den radikalen Islam abgekanzelt"redhot.

Als "gefährlichen Kommentar des islamischen Glaubens" wertete die gemäßigt-islamische Zeitung "Zaman" den Vortrag des Papstes. Mit seinen Äußerungen habe er "die Muslime betrübt und die Vorurteile in der deutschen Gesellschaft verstärkt". Der Türkei-Besuch des Pontifex ist für die Zeit vom 28. November bis 1. Dezember vorgesehen.


Quelle: Spiegel Online, 14.09.06

Hier noch zwei Kommentare aus der internationalen Presse:

"Tages-Anzeiger"
"Benedikt XVI. hat in Regensburg die fatale Beziehung von Religion und Gewalt einseitig am historischen Islam illustriert. Das war unklug und eines ehemaligen Professors und erst recht eines Papstes nicht würdig. (...) Benedikt stellt die eigene römisch-katholische Religion über alle anderen. Joseph Ratzinger hat sich nämlich nicht gewandelt. Zwar sah man ihn bei seinem Besuch in Bayern als freundlichen Mann im Fernsehen, doch inhaltlich ist er der alte Hardliner geblieben.

Joseph Ratzinger, der dank Papstamt gewandelte Kirchenmann - von wegen! (...) Politiker und Theologen mussten ihn gestern an die Kreuzzüge erinnern, an den christlich-lieblosen Umgang mit Juden und Muslimen im katholischen Spanien von einst. Das Christentum steht in puncto Gewalt dem Islam nicht nach. Der friedliche Dialog dieser Religionen wird nun durch die päpstliche Entgleisung in Regensburg spürbar erschwert."


"Le Monde" (Paris)
"Fünf Jahre nach dem 11. September 2001 und angesichts immer höherer Wellen der Islamophobie hätte man vom Papst eine gemäßigtere Rede über die muslimische Religion erwarten können sowie auch die Bekräftigung, dass er eine Vermengung von Islam und Islamismus ablehnt. Den deutschen Papst quälen allerdings der Zusammenbruch des Glaubens und die schwindende Erinnerung an die christlichen Wurzeln in einem Europa, das "taub" ist, wenn es um Gott geht. Seine Zwangsvorstellung ist das säkularisierte Europa, das schwächer wird einem Islam gegenüber, den man in einer Eroberungshaltung sieht. (...) Die katholische Kirche kann sich aber einer Annäherung der Religionen nicht verweigern, die dem Frieden dient. Ebenso wenig wie das Christentum ist der Islam ein Block. Und so wie im Islam gibt es in der Geschichte der Christenheit doch auch Kapitel der Gewalt."




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